Wat Wat Wat

Mit dem Plan, mir den großen Palast anzusehen, habe ich Mittwoch Morgen nach einem leckeren Frühstück das Hotel verlassen – angekommen bin ich dort allerdings nicht…

Bei dem heißen Wetter (auch schon morgens) bot es sich an, mit der Fähre ein Stück den Chao Praya herunterzufahren, der nächste Anleger ist nur ca. 10-15 Min. zu Fuß vom Hotel entfernt.

Von der Fähre aus hat man einen tollen Blick auf Bangkok, kann sich ein bisschen den Wind um die Nase wehen lassen und bekommt von den Mitarbeiterinnen immer mal Tipps, wo sich das nächste Foto lohnt.

Am Pier angekommen, taucht man in ein Gewusel von kleinen Läden ein und fühlt sich irgendwie in eine mittelalterliche Hafenstadt zurück versetzt – Jack Sparrow könnte mal eben um die Ecke kommen *Arrr*.

Der Pier liegt direkt am Eingang vom Wat Pho (Tempel des liegenden Buddhas) und quasi schräg hinter dem Palast. Da ich ja nun mal zuerst in den Palast wollte, habe ich mich auf den (nicht kurzen) Weg um die Palastmauern herum zum Eingang gemacht. Dort wurde ich natürlich ständig von Tuk Tuk – Fahren angesprochen und beim zwanzigsten habe ich mal angehalten und mir angehört, was er zu sagen hatte: „Madame Madame, Palace not open, ceremony right now, come back afternoon.“ – der Klassiker. „I make you offer, go to Wat Arun (Tempel der Morgenröte, auf der anderen Flussseite) first, then you make one hour boat tour through the channels, little floating market, good price! Then you go to Wat Pho and then Great Palace. Good price Madame!“ Vor diesen Tricks wird man in allen Reiseführern und Blogs gewarnt, natürlich ist der Palast nicht geschlossen und natürlich bezahlt man bei solchen Schleppern mehr, als sonst. Nichts desto trotz fand ich die angebotene Tour ziemlich attraktiv, über eine Fahrt durch die Kanäle hatte ich ohnehin nachgedacht, allerdings noch keine Gelegenheit gehabt, mich zu informieren wo und wie das gehen könnte. Ich habe also einfach mal „Ja“ gesagt und bin motiviert in die Preisverhandlungen eingestiegen.

Hierzu muss ich sagen, dass bei mir dann Schluss mit disktutieren ist, wenn wir einen Preis erreicht haben, der mir die Ware oder das Erlebnis wert ist und nicht, wenn ich mein Gegenüber so weit wie möglich runter gehandelt habe – Hauptsache billig. Ich habe beispielsweise ein Paar Flip Flops für ca. 5 Euro gekauft. Vielleicht sagen jetzt einige: „Mensch, viel zu teuer, hätteste für 2 kriegen können!“ – kann sein, war für mich aber okay. Was natürlich gar nicht geht, ist wenn man offensichtlich verarscht wird – da hört dann auch bei mir die Gutmütigkeit auf.

Wir haben uns jedenfalls auf einen Preis geeinigt und meine spontane Tempel- und Bootstour konnte starten. Der Einstieg in das kleine Boot vom höheren Pier war ein bisschen abenteuerlich, glücklicherweise bin ich aber nicht baden gegangen ;).

Am Wat Arun angekommen erst einmal Staunen, Innehalten und den Anblick genießen – wow! Die Tempelanlagen sind wirklich unfassbar schön und sehr beeindruckend (trotz Baugerüst). Was mich – im Nachhinein noch viel mehr – fasziniert hat, war die Ruhe und, dass ich dort quasi alleine war. Die einzigen Geräusche kamen aus der Schule direkt neben dem Tempel und das Kinderlachen hat die ganze Szenerie noch friedlicher wirken lassen.

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Im Tempel war ein Mönch, der Segnungen vorgenommen hat. Nachdem ich mir die Prozedur bei zwei anderen Touristen angesehen habe, hat er mich zu sich gebeten. Ich habe mich vor ihn hingekniet, mich verbeugt und er hat angefangen zu beten. Hierbei hat er ein wenig Weihwasser auf mich gespritzt und Räucherstäbchen über mir kreisen lassen. Von seinen Gebeten habe ich natürlich nicht viel verstanden, aber er hat immer wieder „Good Luck, Good Luck, Good Luck“ gesagt. Anschließend hat er mir ein weißes Bändchen, das „Sai Sin“ umgebunden.

 

Das soll ebenfalls Glück bringen und meine Verbindung zu ihm bzw. seinen Gebeten symbolisieren. Nicht weit von ihm entfernt saß übrigens die Dame, die die Bändchen strickt.

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Da ich dieses Ritual bis jetzt noch in keinem anderen Tempel gesehen habe, bin ich um so froher, mich auf die spontane Bootstour eingelassen zu haben und so zur rechten Zeit am rechten Ort gewesen bin.

Nach dem Tempelbesuch startete meine Fahrt durch die Kanäle. Was soll ich sagen, von Villa über einfache, schiefe, kaputte, dreckige Häuser – alles dabei.

Auf halber Strecke kamen ein paar Bootsverkäuferinnen und mit einem eiskalten Chang in der Hand wurde es um so entspannter.

Nach der wirklich interessanten Bootstour kamen wir wieder am Ausgangspunkt, dem Wat Pho an.

Der liegende Buddha ist mit seinen 45m zwar nicht der größte Thailands, aber trotzdem wunderschön und wirklich viel größer, als ich dachte (ich kann mir sowas immer schlecht vorstellen).

Neben den Geräuschen von Fotoapparaten hört man immer wieder Münzen klappern. Für 20 Baht bekommt man einen Becher Kleingeld. Jeweils ein Geldstück (25 Satang) lässt man im Vorbeigehen in insgesamt 108 Metallschalen fallen. Auch dies soll Glück bringen. Leider hat man nicht die Zeit, für jede Schale einen Wunsch oder ein spezielles Danke zu sagen, da die Menschenreihe sehr schnell voran schreitet und man echt Stress hat, jeden Becher zu treffen.

Auch hier gab es einen Gebetsraum und obwohl es schon deutlich voller war als im Wat Arun, herrschte auch hier eine entspannte und friedvolle Atmosphäre. Touristen und Einheimische beten, meditieren oder genießen die Ruhe zusammen, jeder für sich, aber trotzdem in einer Art Gemeinschaft. Hier konnte ich dann die zuvor aus Zeitmangel untergegangenen Wünschen, Grüße und Danksagungen fließen lassen.

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Wenn man übrigens die Kleiderordnung nicht erfüllt, muss man sich einen solchen Overall überwerfen (Ich war natürlich ordentlich angezogen 😉 ).

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Die Aufsichtspersonen waren dabei allerdings sehr freundlich, was ich am nächsten Tag noch anders erleben würde.

Nachdem mein Ausflug jetzt doch schon länger dauerte und es wirklich wirklich heiß war, entschied ich mich, den Palast erst am nächsten Tag zu besuchen und bin zu einem Mittagsschlaf ins Hotel zurück gekehrt. Abends gab es dann wieder einen Ausflug zur Khao San Road, mit einem zunächst etwas gewöhnungsbedürftigen Wellnessprogramm für die Füße,

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einer anschließenden Fußmassage mit Blick auf den Sonnenuntergang,

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Essen an einem Straßenstand (sehr lecker!) und noch eine Runde im Pool.

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Der Donnerstag startete für mich ungewöhnlich spät. Ich schlafe hier bis jetzt zwar gut, allerdings habe ich die Zeiten noch nicht so im Griff. Ich bin dann also viel später, als ich wollte (so gegen 11:00 Uhr) zum großen  Palast aufgebrochen und was soll ich sagen, ich glaube ich habe die anderen Touristen gefunden.

Chinesische Reisegruppen sind schon eine echte Urgewalt, da werden auch gerne mal im Tempel Kommandos rumgeschrien. Auch wenn der auf dem Gelände des großen Palastes gelegene Wat Phra Kaeo (Tempel der grünen Smaragd-Buddhas) optisch der beeindruckendste ist, kam eher keine andächtige Stimmung auf und so habe ich mich eine Weile in einen schattigen Säulengang gesetzt und das Treiben beobachtet.

Die eben schon erwähnten Aufsichtspersonen, die sich mit der Kleiderordnung beschäftigen, haben hier übrigens weiße „Stöcke“, mit welchen sie Ihren Aufforderungen Nachdruck verleihen. Es handelt sich , glaube ich, zwar „nur“ um zusammengerolltes Papier oder Pappe, wirkt aber trotzdem sehr rabiat: Mann mit Sarong über kurzer Hose- eins mit dem Stock! Frau mit Hut im Tempel – eins mit dem Stock! Füße zum Buddha richten – eins mit dem Stock!

Nach dem Besuch des Palastes hat es einige Diskussionen gebraucht, um ein Taxi zu kriegen. Wenn das Hotel ein Taxi ruft, ist die Nutzung des Taxameters (was die günstigere Variante ist) kein Problem. Hält man als Farang ein Taxi an, braucht es dazu schon etwas Überredungskunst, hat aber irgendwann geklappt.

Abends bin ich dann – mal wieder – in die Khao San Road und nach einer Rückenmassage und einem leckeren Abendessen relativ zügig ins Bett. Heute Morgen war es nämlich schon Zeit, Bangkok „Tschö“ zu sagen.

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Ich schreibe gerade aus Chiang Mai – einer Stadt im Norden Thailands. Hier bleibe ich bis Sonntag und werde morgen einen Ausflug machen, auf den ich mich schon sehr freue. Bitte drückt die Daumen, dass das Wetter mitspielt – bei meiner Ankunft sah es nämlich eben so aus.

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