Jede Reise beginnt…

…mit einem ersten Schritt und natürlich mit der Anreise. Mein Weg nach Vietnam hat  schon Mittwoch Morgen in Dülken begonnen und ist physisch bereits seit ein paar Stunden abgeschlossen – ich bin in Hanoi! Angekommen bin ich allerdings noch nicht.

Nach einem sehr herzlichen aber für mich nicht ganz leichten Abschied am Bahnhof ist die Zugfahrt nach Amsterdam ohne größere Vorkommnisse und weitgehend pünktlich verlaufen. Auch wenn ich nur kurz da war, hat mir das was ich von Amsterdam gesehen habe sehr gut gefallen und ich komme gerne noch einmal wieder – auch um die Frage zu klären ob ich lieber in einem Haus an oder einem Boot auf einer Gracht leben wollen würde.

Ich habe in einem günstigen Hotel in der Nähe vom Flughafen Schiphol gewohnt und die ganze Nacht Flugzeuge starten gehört. Vielleicht kennt ja jemand noch den Film Gattaca. Da sieht man im Hintergrund immer wieder Raketen starten, quasi als die Spannung steigerndes Element – einen ähnlichen Effekt hatte die zwar nicht sehr laute aber immer präsente Geräuschkulisse auch auf mich, viel schlafen konnte ich nicht.

Es gab vor dem Boarding dann noch eine kurze Schrecksekunde, als sich mir beim Warten mit Panoramablick auf einmal das folgende Bild bot:

IMG_20160623_100303Erster Gedanke: Krass, es brennt. Dann innerhalb von Millisekunden dieses heiße Ziehen in der Magengegend, Blutdruck und Puls gehen hoch, im Film bersten jetzt gleich erst mal die Scheiben, was tun? Kampf oder Flucht – halt,  erst mal gucken – wie reagieren eigentlich die anderen? Gar nicht. Langeweile. Vereinzeltes Grinsen. Na dann erst mal Luft holen. Die Brandweer vom Luchthaven Schiphol führt ihre Löschübungen einfach mal ganz keck mitten im regulären Flugverkehr – halt unter realen Bedingungen – durch. Mit Rauch und Blaulicht und allem Zipp und Zapp. Das Spektakel bzw. Übungsobjekt nennt sich „FireFly“ und hat auch bei anderen Passagieren nach mir noch panische Blicke ausgelöst. Ich habe gelangweilt geguckt und vereinzelt gegrinst.

Mit ein wenig Verspätung ist dann mein Flieger nach Singapur gestartet – wie auch immer das schwimmend funktioniert. Es hat  in der Nacht so viel geregnet, dass die Startbahn eher eine Regattabahn war – aber mit Wasser kennen sich die Holländer ja Gott sei Dank auch aus.

IMG_20160623_094618Die gut 12 1/2 Stunden Flugzeit waren wirklich lang. Schlafen konnte ich mal wieder nicht, ich habe stattdessen anderthalb Filme – für die Cineasten London Has Fallen (ganz) und 10 Cloverfield Lane (halb) – sowie alle 8 Folgen von 11.22.63 geguckt. Über Indien konnte ich dann mal ein Gewitter von oben anschauen – echt faszinierend, wie viele Blitze da so tatsächlich zucken!

Nach ein paar Stunden Aufenthalt in Singapur durfte ich dann nochmal knapp 4 Stunden fliegen und bin gegen Mittag in Hanoi angekommen. Die Einreise mit meinem Visum aus Berlin verlief problemlos und zack war ich in Vietnam.

Das ist jetzt natürlich sehr profan, aber der erste Eindruck – warm und schwül hoch 1000. Das Gefühl ist auch immer noch so, egal was man tut, man schwitzt immer, ich bin sehr gespannt, ob ich mich daran noch gewöhne.

Ich hatte mir zum Ziel gesetzt nicht mit einem Taxi, sondern mit dem öffentlichen Bus Nr. 17 vom Flughafen ins Stadtzentrum – Old Quartier – zu fahren. Ehrlich gesagt habe ich keine Ahnung mehr warum ich das unbedingt wollte, aber ich habe mich bis zum Bussteig durchgefragt allerdings nicht bemerkt, dass die 17 durchgestrichen war und nur noch die 7 da stand. Als der Bus kam ging dann alles ganz schnell, hier halten die Fahrer nämlich nicht unbedingt ganz an, um die Fahrgäste ein- und aussteigen zu lassen.

Als ich mit Gepäck dann irgendwie relativ abenteuerlich im Bus war, habe ich versucht zu sagen wo ich hin will, aber in manchen Situationen ist Englisch hier doch wenig hilfreich. Der Fahrer hat mir mit vielen Gesten und mit Hilfe eines Polizisten erklärt, dass die Fahrt 8000 Dong kostet (33 ct), die ich Dank meiner lieben Kollegen auch direkt bar zahlen konnte. Nachdem ich das Ticket dann gekauft hatte, hat mir der Polizist dann erst mal erklärt, dass ich im falschen Bus bin – 7 nicht 17, und das funktioniert hier nicht so wie bei der 009 und 019….

Immerhin ist der Bus nach Hanoi gefahren, aber eben in einen völlig anderen Stadtteil. Ich habe mir dann ein Taxi gerufen und bin direkt auf Touristenfalle Nummer 1 reingefallen. Wir haben vorher einen Preis abgestimmt, der dann am Ende natürlich ein Missverständnis und deutlich teurer war. Ich habe den zwar Preis aufgeschrieben, wusste aber nicht, wie das hier üblich ist. Preise werden ohne die tausender notiert, also 60 für 60.000 Dong. Ich wollte geschickt mit 2.000 Dong in die Verhandlungen einsteigen und habe mich noch gewundert, das der Fahrer sofort genickt und gegrinst hat. Am Ende habe ich dann allerdings nur 200.000 Dong (8€) und nicht 2.000.000 bezahlt, also ganz glimpflich.

Das tückische hier ist, dass man zu Beginn glaubt, man könnte sich aus Schildern irgendwelche Infos erschließen, weil ja grundsätzlich lateinische Buchstaben verwendet werden – keine Chance. Auch die Straßennamen, Ortsteile etc. sind – zumindest für mich – überhaupt nicht einprägsam.

Im Hotel angekommen dann die nächste Überraschung: das Zimmer, was ich bereits im Januar reserviert hatte, war nicht mehr frei, nur noch eine Kategorie schlechter. Ich muss sagen, dass ich zu diesem Zeitpunkt schon echt genervt und hundemüde war, und deswegen auf Fenster, Platz und alles andere verzichtet habe. Hauptsache Bett und Dusche.

Dann kam – was ich eigentlich schon früher erwartet habe – natürlich das Loch und der Gedanke: Was habe ich mir eigentlich dabei gedacht 4 Monate weg zu gehen, in eine völlig andere Welt???

Ich habe mich inzwischen ein bisschen akklimatisiert und die Umgebung erkundet, aber ich denke, dass mich dieser Gedanke noch ein bisschen begleiten wird.

Hier noch ein paar erste Eindrücke aus meiner Umgebung.

Nach einem längeren Stromausfall heute Morgen komme ich erst jetzt zum Schreiben und werde nun meine Erkundungstour fortsetzen. Bericht folgt 🙂

 

 

2 Antworten auf „Jede Reise beginnt…

  1. Hi,

    schwül und warm hättest du hier zwar auch haben können aber sonst nur Unwetter und gar nicht so viele nette Menschen ……
    Wünsche Dir eine gute Zeit und nicht zu viele „Sinn“ fragen! Mach lieber genug Unsinn!
    Ich

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